Auf ein Wort! Interview mit Geschäftsführer Christian Kind zur Digitalisierung der Pflege

Hallo und herzlich Willkommen zurück zu einer neuen Ausgabe unseres Blogs. Wie letzte Woche bereits angekündigt, wollen wir an den Pflegebericht anknüpfen und euch unsere Lösungsvorschläge für eine bessere Digitalisierung darlegen. Wir haben uns dafür auf einen Kaffee mit einem der Gründer und Geschäftsführer Christian Kind getroffen, der uns Rede und Antwort stand.

Hand aufs Herz, auf einer Skala von 1-10, wie weit ist Deutschland bei der Digitalisierung?

Ich würde sagen, bei der stationären Pflege zwischen vier und fünf und bei der ambulanten Pflege etwas höher, da würde ich sechs Punkte geben. Es ist also noch sehr ausbaufähig.

Woran hat es bisher gehapert?

Nun, da wäre vor allem die fehlende Infrastruktur. Teilweise gibt es gar kein flächendeckendes WLAN, wodurch viele Sachen gar nicht erst umgesetzt werden können. Ein weiteres Problem stellt die Refinanzierung dar. Das Problem ist, dass die Kosten über eine lange Zeit geplant werden, gewisse Entwicklungen aber gar nicht mit berücksichtigt wurden. Früher hat man z.B. nicht bedacht, dass es neue Sensorsysteme oder intelligente Produkte geben wird, die finanziert werden müssen. Dies hat zur Folge, dass die Pflegeeinrichtungen heute nicht immer das Geld haben, in diese Projekte zu investieren, selbst wenn sie es gerne wollen würden!

Wo wünschen Sie sich, dass Deutschland in 5-10 Jahren steht?

Ich würde mir wünschen, dass wir in 10 Jahren soweit sind, dass alle Abläufe elektronisch verlaufen können. Bei der Pflegedokumentation ist es eigentlich schon gang und gäbe, aber bei vielen anderen Dingen hapert es noch. So wäre es wünschenswert, wenn z. B. die Vitalwerte oder die Sensorik digital angebunden wird, damit der Arzt Informationen zum Aktivitätsniveau der Person bekommt. Mir ist es wichtig, dass die Vernetzung in Zukunft vorhanden und umsetzbar ist. 

Wie kann die Digitalisierung darüber hinaus gefördert werden?

Es braucht eine konstante Fördermöglichkeit, weil die Digitalisierung zu lange verschlafen wurde. So ist das Pflegestärkungsgesetz zwar eine super Sache, aber wenn man z.B. WLAN einrichtet, dann ist die Fördermöglichkeit bereits ausgeschöpft. Man kann dann nicht noch gleichzeitig die Pflegedokumentation digitalisieren oder moderne Sensorlösungen einrichten. Oft reicht es nur für eine Sache und die nächste größere Anschaffung kann man sich nicht mehr leisten. Eine Lösung hierfür wäre eine konstante Fördermöglichkeit für digitale Maßnahmen oder die Infrastruktur.

Wie will und kann nevisQ explizit dabei helfen? Was ist die Mission?

Wir sind innovativ und denken deshalb in vielen Dingen bereits einige Schritte voraus. Wenn wir heute intelligente Lösungen in Pflegeheimen installieren, sind wir gedanklich bereits einige Schritte weiter. Es wäre deshalb gut, wenn man diese Gedanken aufnimmt und berücksichtigt, z.B. bei der Refinanzierung. Der Status ist nun Mal so, dass in 5-10 Jahren neue Lösungen aufkommen werden. Deshalb wäre es schön, wenn die Krankenversicherungen und die Politik im Dialog mit uns stehen und sich anhören würden, was möglich sein kann und wird. Wir und auch andere Unternehmen in dem Bereich sind schließlich die Experten für Hardware und Software und sehen gleichzeitig, was in anderen Branchen alles möglich ist. So ist z.B. die Datenanalyse in vielen Branchen bereits Standard und es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in der Pflegebranche umgesetzt wird. Wir setzen uns daher dafür ein, diese Punkte zu fördern und zu berücksichtigen.

Was würden Sie den Menschen in der Pflegebranche mitgeben, die auf mehr Digitalisierung hoffen?

Für die Menschen in der Pflegebranche habe ich eine einfache Message: Verliert nicht die Hoffnung, gebt nicht auf und bleibt weiter dran. Wir merken, wo wir vor fünf Jahren waren und was es damals gab, da tut sich was! Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Menschen aus der Pflegebranche sagen, dass das Thema wichtig ist und sie Lösungen brauchen, weil es sie weiterbringt. Ich gebe jedem mit, seine Meinung dazu aktiv zu äußern und zu versuchen, die Veränderungen voranzutreiben. Die Digitalisierung ist nichts Schlimmes, es werden auch keine Arbeitsplätze wegfallen, ganz im Gegenteil. Die Digitalisierung ist eine riesige Chance, die mehr Möglichkeiten bietet. In der Zukunft wird es eher neue Stellen basierend auf der Digitalisierung geben, die neue interessante Arbeitsbereiche und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen. So sehen wir z.B. die Stelle einer Datenanalyse-Pflegekraft, die dafür zuständig ist, allumfassend Daten zu analysieren und Vorhersagungen zu machen, um gemeinsam mit dem Pflegeteam eine noch bessere Pflege zu ermöglichen. Oder sie kann Ärzten fundiertere Daten zur Verfügung stellen. Diese Position gibt es in der Form heute noch gar nicht. Es braucht deshalb niemand Angst vor der Digitalisierung zu haben, eher im Gegenteil: Freut euch darauf, was kommen wird.